Verhinderung sozialer Ausgrenzung
auf beiden Seiten der Grenze

Evropská Unie
SN.CZ
EUROREGION LABE

worum ging es in dem projekt?

Ziel des Projekts war es, einen Raum für den Erfahrungsaustausch und Einblicke in bewährte Praxisbeispiele für Fachkräfte zu ermöglichen, die im Bereich der sozialen Eingliederung tätig sind

Das Projekt trug in verschiedener Hinsicht zur Verringerung der Probleme im Bereich sozialer Ausgrenzung auf beiden Seiten der Grenze bei. Es wurden Kontakte zwischen Vertreter*innen von Institutionen, Gemeinden und Einrichtungen geknüpft, die Unterstützung für sozial ausgegrenzte Personen leisten.

Im Laufe des Projekts wurden zielgruppenbezogen Methoden, Verfahren und Arbeitsweisen diskutiert sowie Hürden und Gelingensbedingungen herausgearbeitet, um einen langfristigen Wissens- und Methodentransfer zwischen den Beteiligten zu ermöglichen.



- Unmittelbare Unterstützung für Einrichtungen, die die Teilhabe von Personen fördern, die von sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind

- Mittelbare Unterstützung für von sozialer Ausgrenzung betroffene oder bedrohte Menschen

Das Projekt „Vermeidung sozialer Ausgrenzung auf beiden Seiten der Grenze“, EEL-0810-CZ-20.08.2021 wurde aus Mitteln der Europäischen Union gefördert.

  • 1. workshop

    projektvorstellung

    Projektvorstellung und Präsentation von Daten zur sozialen Ausgrenzung auf beiden Seiten der Grenze

    Vorstellung von Finanzierungsgrundlagen und gesetzlichen Verankerungen in Sachsen und in Tschechien.

  • 2. workshop

    Erfahrungsaustausch

    Erfahrungsaustausch zu den Themen Gemeinwesenarbeit und Einbindung der Öffentlichkeit bei der Bekämpfung sozialer Ausgrenzung

  • 3. workshop

    Fallstudie

    Fallstudie - Vorstellung des Ansatzes "Housing first" des Vereins Dobrovolnické centrum

    Fallstudie - Darstellung der Vernetzung von sozialen Dienstleistungsangeboten – Gemeinnützige Gesellschaft Člověk v tísni

    Ideen für zukünftige gemeinsame Themen

    Exkursion zum Haus der Dienste des Vereins Člověk v tísni und Sozialraumbegehung im Stadtteil Předlice in Ústí nad Labem

  • 4. workshop

    Kommunale Strategien

    Kommunale Strategien für den Umgang mit benachteiligten Stadtteilen – Sozialamt Dresden

    Fallstudie - integrierter Ansatz zur Familienbildung sowie Hilfen zur Erziehung - VSP e.V.

    Erfolgsversprechende Arbeitsprinzipien im Familienzentrum Puzzle - Omse e.V.

    Ideen für zukünftige gemeinsame Themen

teilnehmende

An dem Projekt waren Organisationen beteiligt, die Dienstleistungen, Hilfe und Unterstützung für sozial ausgegrenzte oder von sozialer Ausgrenzung bedrohte Personen anbieten.

Diese Organisationen unterstützen diese Zielgruppen direkt oder beteiligen sich an der Erforschung, Definition und Schaffung von Instrumenten, die für die Beseitigung sozialer Ausgrenzung und die Verhinderung sozialer Ausgrenzung erforderlich sind.

  • Projekträger

    ACoRD CZ, z.s.

    Eine NGO die organisatorische, technische, wirtschaftliche und rechtliche Unterstützung im Bereich der Sozial-, Regional- und Strukturpolitik leistet. Sie arbeitet mit einer Vielzahl von Expert*innen zusammen, die seit langem in den Bereichen Sozialarbeit und soziale Dienste, Regionalentwicklung, Gemeindeplanung, strategische Planung, Wirtschaft, Recht usw. tätig sind.


    ACoRD CZ, z. s.
    Bozděchova 99/6
    400 01 Ústí nad Labem
    Geschäftsführender Direktor:
    Bc. Ladislav Marek
    Email: marek@acordczech.org

  • Projektpartner

    Evangelische Hochschule Dresden

    Die ehs Dresden ist eine international vernetzte, staatlich anerkannte Stiftungshochschule. Ihre Studien-, Forschungs- sowie Fort- und Weiterbildungsangebote liegen in den Bereichen Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik, Religions- und Gemeindepädagogik sowie Pflege. Auf der Basis des evangelischen Profils werden Theorie und Praxis im Dialog miteinander entwickelt.


    Theresa Lempp
    Professorin für Theorien und Methoden Sozialer Arbeit
    Dürerstraße 25,
    01307 Dresden
    Email: theresa.lempp@ehs-dresden.de

  • Projektpartner

    Dobrovolnické centrum, z. s.

    Der Verein Dobrovolnické centrum (Freiwilligenzentrum) wurde im November 1999 gegründet. Von Beginn an konzentriert sich der Verein auf die Arbeit mit Freiwilligen, die Aktivitäten in verschiedenen Bereichen wie Sport, Kultur, Krankenhäusern und in Mentoringprogrammen für Kinder übernehmen.
    Außerdem führt der Verein das Projekt Housing first in der Stadt Ústí nad Labem durch, das auf die Unterstützung von wohnungslosen Menschen ausgerichtet ist. Es handelt sich um eines der größten Projekte dieser Art in der Tschechischen Republik.

    Direktorin

    Mgr. Lenka Vonka Černá

    Prokopa Diviše 1605/5, 400 01 Ústí nad Labem

    lenka.cerna@dcul.eu

    www.dcul.cz

  • Projektpartner

    Člověk v tísni o.p.s.

    Die Gemeinnützige Gesellschaft Člověk v tísni (Mensch in Not) ist ein Anbieter von Sozial- und Bildungsdienstleistungen. Im Bezirk Ústí ist sie in den Städten Bílina, Chomutov und Ústí nad Labem tätig. Zu den Dienstleistungen für Erwachsene in Ústí nad Labem gehören: individuelle Beratung (Feldprogramme), Familienberatung (sozialer Aktivierungsdienst für Familien mit Kindern), Schuldnerberatung. Für Kinder und Jugendliche werden Vorschulprogramme, niedrigschwellige Clubs, schulische Unterstützung und Berufsberatung angeboten. Sie ist in mehreren sozial ausgegrenzten Gebieten tätig.

    Direktor der Niederlassung Ústí nad Labem

    Mgr. Vít Kučera

    Šafaříkova 635/24, 120 00, Praha 2

    vit.kucera@clovekvtisni.cz

    www.clovekvtisni.cz

  • Projektpartner

    Charita Litoměřice

    Anbieter eines breiten Spektrums sozialer Dienstleistungen für sozial ausgegrenzte und von Ausgrenzung bedrohten Personen. Betreiber eines Zentrums für Prävention und humanitäre Hilfe. Die Leistungen werden in stationären und ambulanten Formen sowie als Außendienst erbracht.

    Direktorin

    Mgr. Karolína Wankovská, DiS.

    Zahradnická 1534/5, 412 01 Litoměřice

    karolina.wankovska@litomerice.charita.cz

    litomerice.charita.cz

  • Projektpartner

    Bezirksamt des Bezirkes Ústí - Abteilung für soziale Angelegenheiten

    Das Bezirksamt verwaltet und finanziert die Bereitstellung von Sozialdienstleistungen im gesamten Bezirk Ústí und hält soziale Dienste für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung vor.

    Abteilungsleiterin

    Ing. Petra Lafková, MPA

    Abteilung für soziale Angelegenheiten

    Velká Hradební 3118/48, 400 02 Ústí nad Labem

    lafkova.p@kr-ustecky.cz

    www.kr-ustecky.cz

  • Projektpartner

    Stadt Dubí

    Dubí ist eine Stadt im Kreis Teplice, im Bezirk Ústí, mit etwa 7 800 Einwohnern. Die Kurstadt ist berühmt für die Herstellung von Glas und Porzellan. Dubí führt Projekte durch, die auf die soziale Eingliederung der Bewohner*innen im Stadtteil Pozorka abzielen.

    Projektmanager

    Mgr. Libor Kudrna, DiS.

    Stadt Dubí

    Ruská 264, 417 01 Dubí

    kudrna@mascinovecko.cz

    www.mesto-dubi.cz

  • Projektpartner

    NADĚJE – Region Litoměřice

    Der Verein NADĚJE (Hoffnung) ist Anbieter von sozialen Diensten, die sozial ausgegrenzte und obdachlose Personen sowie Kinder und Jugendliche, Familien und Menschen mit Behinderung unterstützen. Innerhalb des Bezirkes Ústí ist der Verein in den Städten Litoměřice, Lovosice, Terezin, Roudnice nad Labem, Štětí, Kadaň und Klášterec nad Ohří tätig. Die Leistungen werden sowohl in stationärer und ambulanter Form als auch im Außendienst erbracht.

    Gebietsdirektorin

    Mgr. Michaela Lutišanová

    Pražská 992/14, 412 01 Litoměřice

    michaela.lutisanova@nadeje.cz

    www.nadeje.cz/litomerice

  • Projektpartner

    Omse e. V. – Familientreff Puzzle

    Puzzle ist ein interkultureller und offener Kinder- und Familientreff im Stadtteil Gorbitz in Dresden. Die Angebote sind auf den Freizeitbereich ausgerichtet. Ziel ist es, Familien im Wohngebiet zu stärken. Dabei arbeiten wir grundsätzlich nach dem Prinzip der Freiwilligkeit, bieten zusätzlich individuelle Unterstützung an und arbeiten dabei nach den Prinzipien der Sozialraumorientierung.

    Sozialarbeiter

    Sören Bär

    Harthaer Straße 3, 01169 Dresden

    familientreff@omse-ev.de

    omse-ev.de/kinder-familientreff-puzzle

  • Projektpartner

    Landeshauptstadt Dresden

    Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen | Sozialamt

    Das Sozialamt der Landeshauptstadt Dresden versteht sich als Servicestelle rund um existenzielle und soziale Belange. Rund 380 Mitarbeitende betreuen Dresdner*innen, die auf Unterstützung in verschiedenster Form angewiesen sind. Dazu gehören individuelle Dienst-, Sach- und Geldleistungen. Zugleich ist das Sozialamt Partner für Initiativen, Vereine, Unternehmen und Verbände zur Förderung von sozialer Teilhabe und Integration in Dresden.

    Abt. Interner Service/Grundsatz/Sozialplanung, Sachgebietsleitung Sozialplanung

    Mandy Bidell

    Glashütter Straße 51, 01309 Dresden

    sozialplanung@dresden.de

    www.dresden.de

  • Projektpartner

    Verbund sozialpädagogischer Projekte VSP e. V.

    Der VSP e.V. bietet ein breites Spektrum an Angeboten der Kinderbetreuung, Schulsozialarbeit, Familien- und Freizeitaktivitäten, Gemeinwesenarbeit, Beratung, Hilfen zur Erziehung sowie eine Zufluchtsstelle für Mädchen und junge Frauen an. Die Arbeit ist getragen von der sozialen Verantwortung für die Mitmenschen, die von der Reflexion der sozialen Verhältnisse ausgeht. Durch den subjektorientierten Ansatz werden Akzeptanz, Beteiligungs- und Selbstbestimmungsprozesse im Miteinander gefördert.

    Geschäftsführerin

    Katrin Förster

    Rathener Straße 115, 01259 Dresden

    post@vsp-dresden.org

    www.vsp-dresden.org

  • Projektpartner

    Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH – Quartiersmanagement Prohlis

    Mit dem Städtebauförderprogramm "Soziale Stadt" („seit 2020 Sozialer Zusammenhalt“) unterstützt der Bund seit 1999 die räumliche Entwicklung und städtebauliche Aufwertung benachteiligter Stadt- und Ortsteile in Deutschland mit dem Ziel, lebendige Nachbarschaften zu fördern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
    Dafür ist das Quartiersmanagements (QM) Prohlis im Auftrag des Stadtplanungsamtes Dresden tätig. Zentrale Anliegen des QM sind die Verbesserung der Lebensqualität und die Aktivierung und Beteiligung der Bürger*innen. Aus einem Verfügungsfonds können lokale Projekte finanziert werden. Das QM hat eine koordinierende Funktion und baut auf den vielfältigen Aktivitäten der Einrichtungen und Initiativen in Prohlis auf.

    Quartiersmanagerin

    Katrin Lindner

    Prohliser Allee 33, 01239 Dresden

    info@qm-prohlis.de

    www.qm-prohlis.de

  • Projektpartner

    Kinder- und Elternzentrum Kolibri e. V. – interkulturní práce s dětmi, mládeží a rodiči

    „Kolibri“ e.V. ist eine Migrant*innen-selbstorganisation und versteht sich als interkulturelles Begegnungs-, Bildungs- und Kulturzentrum für Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Das Projekt „Interkulturelle Kinder-, Jugend- und Elternarbeit“ beinhaltet offene, niedrigschwellige und bedarfsorientierte Angebote wie den Kinder-Eltern-Treff, Jugendtreffs, Ferienangebote, Informations-veranstaltungen für Eltern sowie offene Elternsprechstunden. Ziel des Vereins ist es, Begegnung, Austausch und Teilhabe für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung zu ermöglichen.

    Sozialarbeiter

    André Bogun

    Ritzenbergstraße 3, 01069 Dresden

    andre.bogun@kolibri-dresden.de

    www.kolibri-dresden.de

Die Situation von sozial ausgegrenzten Personen
im Bezirk Ústí und in Sachsen

Die soziale Ausgrenzung in der Tschechischen Republik wird anhand der folgenden Kriterien definiert

  • Unterkunft

    Wohnen ohne Dach, ohne Wohnung, Wohnheime,
    instabile oder ungeeignete Unterkünfte, gemäß der ETHOS-Kategorisierung

  • Bildung

    nur Grundschulausbildung oder abgebrochene Grundschulausbildung,
    Besuch von Sonderschulen und sog. praktischen Schulen

  • Beschäftigung

    Langzeitarbeitslosigkeit, nicht gemeldete Gelegenheitsjobs usw.

  • Verschuldung und Ausschluss vom Finanzmarkt

    Zwangsvollstreckung, Wucher, usw.

  • sozialräumliche Segregation

    schlechterer Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen,
    Beschäftigung, geringere Qualität des öffentlichen Raums

  • Gesundheit

    geringere Lebenserwartung in Verbindung mit geringerer Bildung,
    sozialer Ungleichheit oder mangelndem Zugang zu medizinischer Versorgung

Der Bezirk Ústí ist schon seit langem
mit einer Reihe dieser Probleme konfrontiert

16,71 %
Der größte Anteil der von Zwangsvollstreckungen betroffenen
Personen in der Tschechischen Republik
Die größte Anzahl von sozial ausgegrenzten Orten
in der Tschechischen Republik
Niedrigste Lebenserwartung
in der Tschechischen Republik

Männer 73.9 Jahre
Frauen 79.9 Jahre
Allmählicher Bevölkerungsrückgang und Zunahme der Zahl der älteren Menschen

59 % der Bevölkerung der Region gehören einer benachteiligten oder gefährdeten sozialen Schicht an

Workshops

  • 1.

    Dieser Workshop diente dazu, die teilnehmenden Einrichtungen einander vorzustellen und sich mit der Situation im Bereich sozialer Ausgrenzung im Bezirk Ústí und Sachsen, vertraut zu machen.

  • 2.

    Das Hauptthema dieses Workshops, der ebenfalls online stattfand, war die Vorstellung konkreter Projekte und Erfahrungen im Bereich der Gemeinwesenarbeit.

    Die Workshop-Teilnehmenden einigten sich auf die folgenden zentralen Ergebnisse, an denen weiter gearbeitet werden sollte:

    Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Initiative zur Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung vor allem von der öffentlichen Verwaltung, Städten und Gemeinden ausgehen sollte und nicht, wie es derzeit der Fall ist, überwiegend von gemeinnützigen Einrichtungen.

    Es ist von Vorteil, wenn die Aktivitäten und Maßnahmen im Bereich der sozialen Eingliederung von einer Stelle aus koordiniert werden, idealerweise auf der Ebene der öffentlichen Verwaltung.

    Ein Risiko für die Wirksamkeit und den Erfolg der Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung besteht darin, dass sie häufig von Einrichtungen aus verschiedenen Ressorts (Sozialdienste, Gesundheit, Bildung usw.) verwaltet wird, die oft nicht zusammenarbeiten. Dies hängt auch damit zusammen, dass zur Finanzierung der Hilfen unterschiedliche Finanzquellen genutzt werden.

    Die Partner diskutierten eine Reihe von positiven Beispielen für bewährte partizipative Verfahren, Aktivitäten und Methoden, welche das Gemeinwesen bei der Lösung von Problemen und bei der Verhinderung sozialer Ausgrenzung einbeziehen. So wurden z. B. Nachbarschaftsfeste, partizipative Planungsprozesse für kommunale Dienstleistungsnetze, Kinderforen, und thematische Arbeitsgruppen zur Vernetzung vorgestellt.

    Die Partner waren sich auch weitgehend einig, dass die Aktivitäten und sozialen Dienste für sozial Ausgegrenzte und von sozialer Ausgrenzung bedrohte Menschen niedrigschwellig gestaltet sein sollten. Sie sollte daher für alle Bevölkerungsgruppen ohne wesentliche Einschränkungen (finanzielle Zwänge, strenge Regeln für die Nutzung der Dienste, zeitliche und verkehrstechnische Verfügbarkeit usw.) zugänglich sein.

  • 3.

    Während dieses Workshops konnten sich die Teilnehmenden schließlich persönlich im Haus Služeb , betrieben durch Člověk v tísni im Stadtteil Předlice in Ústí nad Labem, treffen. Das Hauptthema des Treffens war eine Diskussion über konkrete Verfahren zur Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung. Es wurden zwei Fallstudien vorgestellt:

    1. Das Projekt Ich lebe und wohne in Ústí nad Labem, das vom Verein Dobrovolnické centrum und mit EU-Unterstützung durchgeführt wird: ein Pilotprojekt zur Überprüfung der Übertragbarkeit des Housing first- Ansatzes in der Tschechischen Republik
    2. Dienstleistungen der Gemeinnützigen Gesellschaft Člověk v tísni für Kinder und Jugendliche: Fallbeispiel einer Adressatin, die einen niedrigschwelligen Club in Bílina besucht und das Programm Retro-Stipendien nutzt

    Um bessere Ergebnisse bei der Integration von sozial ausgegrenzten Personen zu erzielen, wurden folgende Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:

    Eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zwischen Fachkräften und Adressat*innen

    Der Einbezug des Gemeinwesen und des sozialen Umfelds der hilfebedürftigen Person (z. B. zielt der Ansatz "Housing first" unter anderem darauf ab, mit den Nachbarn der unterstützten Person zusammenzuarbeiten, um Spannungen und Konflikten vorzubeugen).

    Unterstützung von Projekten und Hilfen für sozial Ausgegrenzte durch lokale Behörden und Einbindung in lokale Strategien (z.B. kommunale Präventationsketten)

    Intensität und Qualität der multiprofessionellen Zusammenarbeit zwischen Fachkräften aus verschiedenen Bereichen (Soziale Arbeit, Bildung, Freizeit, Kultur, Medizin, Psychologie) sowie Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und lokalen Behörden

    Soziale Infrastrukturentwicklung und sozial- und wohnungspolitische Interventionen, um sozialräumlicher Segregation entgegenzuwirken

  • 4.

    Der 4. Workshop fand in Dresden im Stadtteil Prohlis statt. Im Jugendhaus Lila des Vereins VSP wurden folgende Themen vorgestellt und anschließend diskutiert:
    - Kommunale Strategien für den Umgang mit benachteiligten Quartieren – Sozialamt Dresden
    - Fallstudie - integrierter Ansatz zur Familienbildung und der Hilfen zur Erziehung - VSP e.V.
    - Erfolgsversprechende Arbeitsprinzipien im Familienzentrum Puzzle - Omse e.V.
    - Ideen für zukünftige gemeinsame Themen

    Definition sozial benachteiligter Gebiete aus kommunaler Perspektive:

    höhere Bevölkerungsdichte als in der übrigen Stadt

    hohe Arbeitslosenquote

    hohe Quote Arbeitsloser mit ausländischer Herkunft und der 15-24-Jährigen

    hoher Ausländeranteil aus vielen verschiedenen Nationen

    hohe Anzahl belegungsgebundenen Wohnraums

    hohes Unsicherheitsgefühl aufgrund hoher Kriminalitätsrate

    mangelhafte soziale Strukturen in der Nachbarschaft

    Erschwerende Faktoren der benachteiligten Stadtteile::

    Kommunale Bildungsstrategie in Dresden (Unterstützung von besonders belasteten Kitas durch eine zusätzliche sozialpäd. Fachkraft, Aufstockung der regulären Personalstruktur bis 70% zusätzlich)

    Investitionen in die Bildungsstruktur (Sanierung Schulen und Horte, Ganztagsangebote)

    Stadterneuerung in benachteiligten Gebieten und Stärkung des sozialen Wohnungsbaus

    Quartiersmanagement und lokale Netzwerkarbeit

    Verfügungsfonds und Stadtteilfonds zur niedrigschwelligen Finanzierung von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Projekten

    Straßensozialarbeit und Suchtprävention

    Kooperation zwischen Schulen und Akteuren kultureller Bildung

    Modellprojekt FABI – VSP: Niedrigschwellige Unterstützung von Familien durch Hilfen aus einer Hand, Kombination verschiedener Jugendhilfeleistungen (Familienbildung und Hilfen zur Erziehung) an einem Standort und in Personalunion

    Familientreff Puzzle als Modell für ein Nachbarschaftszentrum, das als Kontakt- und Beratungsstelle im Quartier fungiert, einen Ort für Austausch und Möglichkeiten für Engagement bietet und freiwillige Angebote für unterschiedliche Nutzer*innen entwickelt

Schlussfolgerung und Empfehlungen

Risiken

  • Mangel an Personalressourcen in den helfenden Berufen sowie hohe Personalfluktuation gerade in besonders belasteten Stdatteilen
  • Anhaltende sozialräumliche Segregation, z. B. aufgrund mangelnder Wohnungskapazitäten und durch Privatisierung von Wohnraum
  • Polarisierung und fehlende Kommunikationsräume im Gemeinwesen, wenig zivilgesellschaftliches Engagement in benachteiligten Stadtteilen
  • Nicht funktionierende Abstimmung der Aktivitäten, Dienste und Integrationsmaßnahmen zwischen einzelnen Ressorts
  • Unzureichende Finanzierung von Dienstleistungen und Integrationsmaßnahmen
  • Mangel an Fachkräften bzw. erschwerter Zugang zu Fachkräften in spezialisierten Berufen (Psycholog*innen, Therapeut*innen, Ärzt*innen usw.)
  • Negative Wahrnehmung des Themas der sozialen Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft, Stigmatisierung bestimmter Stadtteile oder Bevölkerungsgruppen
  • Mangelnde Infrastruktur

Übertragbare und anwendbare Verfahren und Methoden

  • Partizipative Verfahren und Methoden, die darauf abzielen, die sozial Ausgegrenzten in die Entscheidungsfindung einzubeziehen
  • Integration in Organisationen und Durchführung einer Reihe von Aktivitäten (Freizeit, Sport, Kunst, Essen, Musik, Theater, Gartenprojekte)
  • Wohnen als Grundvoraussetzung für soziale Integration (Housing First)
  • Arbeit mit Nachbarn von sozial ausgegrenzten Personen
  • Einbindung von Freiwilligen in die Arbeit mit sozial ausgegrenzten Menschen
  • Gratis-Infrastruktur von Kultureinrichtungen (z.B. Stadtteilbibliotheken)
  • Anhebung des Gehalts bzw. des Personalschlüssels in besonders benachteiligten Stadtteilen
  • Entwicklung von zielgruppenübergreifenden Nachbarschaftszentren